Newsübersicht

Großes Forschungsprojekt zur Phagentherapie in Deutschland

18. Dezember 2018

Bakterien haben die Fähigkeit, Resistenzen gegen Antibiotika an andere Keime weiterzugeben, dabei stößt die Antibiotikatherapie allerdings weiter an ihre Grenzen. Die sogenannte Phagentherapie soll eine Alternative zum heutigen Antibiotikum sein. Bisher ist sie in der westlichen Welt relativ unbekannt, in Russland wird sie jedoch schon seit der Zeit der Sowjetunion erfolgreich angewendet.
Die Phagentherapie wurde vor rund 100 Jahren von Frederick Twort und Félix d’Hérèlle entdeckt, so Christine Rohde (Kuratorin am Lebniz-Institut DSMZ GmbH in Braunschweig). Phagen sind natürliche Feinde der Bakterien und gehören zu dem Mikrobiom, welche sich in und auf dem ganzen menschlichen Körper befinden. Dabei lassen sich insgesamt zwei Arten unterscheiden: Erstens so genannte temperente Bakteriophagen und zweitens virulente oder lytische (auflösende) Bakteriophagen. Bei der Phagentherapie ist die virunlente Bakteriophagengruppe interessant. „Überall dort, wo Bakterien unerwünscht sind, können passende Phagen zielgerichtet helfen. Lytische Bakteriophagen töten ihre passenden Bakterien durch Auflösen beziehungsweise Platzen des Bakteriums“, erklärt Christine Rohde. Bei der Therapie handelt sich demnach um eine maßgeschneiderte Behandlung, da es gilt, die Phagen aus der Natur für den jeweiligen Keim zu finden. Die Nebenwirkungen der Therapie soll zudem unbedenklich sein: „Phagen haben keine toxischen oder andere bekannte Nebenwirkungen, belasten weder Leber noch Nieren, greifen den Magen nicht an, beeinflussen nicht unser Mikrobiom, abgesehen von dem zu bekämpfenden Bakterium“, sagt Christine Rohde. Auf lange Sicht könnten Phagen vermutlich die bessere Therapie bei bakteriellen Infektionen sein. Jedoch besteht die nötige Infrastruktur noch nicht, denn die für die Phagentherapie müsste zuerst genau der Keim auf der bakteriellen Artebene festgestellt werden, die entsprechenden Phagen gesucht und aus einer Phagenbank aufbereitet werden. Ein sehr zeitintensiver Prozess. Zeit, die Patienten mit akuten Entzündungen nicht haben.
In erster Linie sollen deshalb Schwerstkranke, bei denen kein Antibiotika mehr hilft, von der Phagentherapie profitieren.Derzeit wird am Leibniz-Institut DSMZ GmbH eine Charakterisierung aller therapeutisch einzusetzenden Phagen realisiert. Die Phagenbank des Instituts ist bislang die größte Deutschlands und eine der wenigen Europas. In der Studie „Phage4Cure“ , die seit September 2017 durchgeführt wird, wird die Eignung von Phagen für Therapiezwecken erforscht und getestet. Denn bisher sind in der EU Phagen noch nicht als Arzneimittel zugelassen.

Klicken Sie hier für den kompletten Bericht auf focus.de.

Artikel teilen